Eintagszivilisten

… ein freund hat neulich erzählt, daß ihm diese eintagsdiskussion ob der scheinheiligkeit in den wahnsinn treibe. er könne immer noch nicht ruhiger schlafen und der intellektuelle spagat trüge schizophrene dimensionen.

auf meinen fragenden blick antwortete er, daß eintagsküken nun wahrlich das kleinste problem dieses herbstes seien.

„tote küken gibt es tiefgefroren im zehnerpack als ‚natürlichen knabberspaß‘ für hunde und katzen für schlappe 2 euro, da springt sogar noch was für die legehennenzüchter raus“, sagte er. warum sich kein tierschützer darüber aufrege sei ihm allerdings nicht unerklärbar, dienten doch die – im ergebnis – ebenfalls toten küken der ‚natürlichen‘ ernährung der widernatürlich in wohnungen gehaltenen hunde und katzen, sozusagen kapitalistisch bestmöglichst verwertet. ob dieser sinnvolle tod dem küken erleichterung verschaffe, wage er zu bezweifeln, denn tot sei tot, egal ob man für einen guten zweck gestorben sei, oder nicht.

„das gilt besonders für menschen“, zog er einen gedankenbogen. er würde gerne von den in den momentan auf dieser erde gestorbenen zivilisten als ‚eintagszivilisten‘ reden, denn dann würden sie vielleicht ähnliche aufmerksamkeit erfahren wie die küken und jemand würde analog sagen:  „eine auseinandersetzung bei der systembedingt menschen getötet werden, ist völlig inakzeptabel und menschen sind kein kolateralschaden, sondern fühlende lebewesen.“

 

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